Freitag, 22. März 2013

Meine Erfahrungen mit Microstock-Agenturen

Meine bisherigen Erfahrungen mit Microstock-Agenturen werde ich nachfolgend einmal kurz zusammenfassen.

Fotolia:
Fotolia war die erste Agentur, die ich mit Fotos beliefert habe. Bis heute erziele ich dort grundsätzlich die höchsten Einnahmen, was aber auch daran liegen mag, dass ich dort nach wie vor das größte Portfolio habe.
Die Annahmequote bei den eingereichten Fotos liegt aktuell bei ca. 70% (zum Anfang - ohne Erfahrungswerte - lag dieser Wert deutlich niedriger).
Von den Verkäufen erfolgen nach Stückzahlen ca. 60% als "Einzelverkäufe" und ca. 40% im Rahmen von Abonnement-Verkäufen. Bei den erzielten Einnahmen sieht es dagegen wesentlich deutlicher aus. Von den Einnahmen entfallen 88% auf Einzelverkäufe und nur 12% der Einnahmen entfallen auf Abo-Verkäufe.
 
Shutterstock:
Shutterstock folgte bei mir dann als zweite Microstock-Agentur. Die Annahmequote der eingereichten Fotos liegt aktuell knapp über 80%.
Bei der Anzahl der angenommenen Fotos liegt Shutterstock auf dem zweiten Platz. Bei den Verkäufen liegen nach Stückzahlen ganz eindeutig die Abonnement-Verkäufe vorne (ca. 92%). Bei der Einnahmenverteilung sieht es aber schon ganz anders aus: ca. 50 % der erzielten Einnahmen steuern die Abonnement-Verkäufe bei, die anderen 50% verteilen sich auf Einzelverkäufe, Verkäufe als erweiterte Lizenzen sowie sonstige Verkäufe. 

Folgende Agenturen werden zwischenzeitlich auch mit Fotos beliefert: IStockphoto, Dreamstime, Shotshop, Panthermedia, Pitopia und 123rf (in der Reihenfolge nach den derzeitigen Verkaufserlösen - also IStockphoto am besten, 123rf am schlechtesten).

Anzumerken ist jedoch, dass die Einnahmen bei diesen Agenturen sehr deutlich unter den Einnahmen bei Fotolia und Shutterstock liegen. Positiv entwickeln sich eigentlich nur IStockphoto und Dreamstime, bei denen auch noch nicht so umfangreiche Fotobestände von mir aufgebaut wurden. Hier besteht also Hoffnung. Bei den anderen vier Agenturen halten sich die Einnahmen trotz doppelt oder dreifach so hoher Fotobestände im Vergleich zu IStockphoto und Dreamstime in einem bescheidenen Rahmen. Ob ich diese Agenturen weiterhin mit Fotos beliefern werde, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Zwei Kandidaten werden aber sicherlich herausfallen, wie es schon zwei weiteren Agenturen vor geraumer Zeit passiert ist.

Welche meiner Fotos verkaufen sich am besten?
Hier stelle ich von Agentur zu Agentur teilweise recht deutliche Unterschiede fest. Bei Shutterstock sind es ganz eindeutig Fotos von Schiffen (Frachtschiffe, Containerschiffe & Co.), die sich am besten verkaufen - gefolgt von Fotos zum Thema Verkehr (Straßenschilder, Ampeln, Straßenmarkierungen und Bahnschienen) und Architekturfotos.
Bei Fotolia liegen Architekturfotos, Fotos aus Griechenland und Schiffsfotos fast gleichauf, bei IStockphoto liegen Architekturfotos vor Schiffsfotos und Industriefotos und bei Dreamstime sind es Fotos aus Griechenland, gefolgt von Schiffsfotos und Stillleben-Fotos.
 
Schiffsfotos:
Dass sich Schiffsfotos fast überall recht gut verkaufen, mag daran liegen, dass der Bildbearbeitungsaufwand von Schiffsfotos meist sehr hoch ist: der Schiffsname, die IMO-Nummer (mit der Fahrgestellnummer eines Autos zu vergleichen), die Beschriftungen und Logos auf sämtlichen Containern und anderen Schiffsladungen, Logos und Flaggen von Reedereien und selbst die Kennungen auf den modernen Rettungsbooten der Schiffe müssen weggestempelt werden. Daher lassen wohl viele Einlieferer von Fotos die Finger von solchen arbeitsintensiven Fotomotiven. Außerdem ist es im Vergleich zur Architekturfotografie nicht so einfach Schiffsfotos zu machen, denn nicht jeder wohnt in der Nähe von großen Häfen oder stark befahrenen Wasserstraßen.
Daher gehört die Schiffsfotografie seit längerer Zeit zu einem meiner Schwerpunkte.

Entwicklung einer eigenen Strategie:
Vor geraumer Zeit habe ich wegen der Möglichkeit der "Teil-Exklusivität bei Fotolia" eine Strategie entwickelt, die ich auch zukünftig beibehalten werde:
Fotos werden von mir zunächst nur bei Fotolia und Shutterstock eingereicht. Fotos, die von Fotolia akzeptiert und von Shutterstock abgelehnt werden, biete ich dann keinen anderen Agenturen an. Diese Fotos werden wegen der höheren Einnahmemöglichkeiten dann bei Fotolia als Exklusivfotos angeboten (lässt sich nachträglich ändern), da bei den weiteren Agenturen die Umsätze meist nicht so toll sind und ich bei Fotolia entsprechend höhere Umsatzerlöse generieren kann. Fotos, die von beiden Agenturen akzeptiert werden, reiche ich anschließend auch bei den anderen Agenturen ein (bei Fotolia bleibt es dann bei diesen Fotos bei der "Nicht-Exklusivität"). Fotos, die bei Fotolia abgelehnt und von Shutterstock akzeptiert werden, wandern auch zu den anderen Agenturen.

Erkenntnisse der letzten Monate:
Bei zahlreichen Agenturen haben Fotos von Burgen und Schlössern kaum noch eine Chance auf Annahme. Grund dafür ist die Grauzone rund um das Recht am Grundstück und nicht auszuschließenden rechtlichen Auseinandersetzungen (Stichwort: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten). Moderne und markante Wohn- und Geschäftsimmobilien werden mittlerweile häufig auch abgelehnt. Bei tatsächlich wegen Urheberrecht des Architekten geschützten Gebäuden (u.a. Sony-Center in Berlin, Reichstagskuppel in Berlin, Allianz-Arena in München, Gebäude von Hundertwasser und die Gehry-Bauten in Düsseldorf) ist das ja verständlich. Um aber eventuellen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, werden mittlerweile viele Fotos mit etwas markanter aussehenden Gebäuden oder Gebäudeteilen abgelehnt - trotz der sogenannten Panoramafreiheit (Fotos werden von frei zugänglichen, öffentlichen Plätzen, Straßen usw. ohne Hilfsmittel aufgenommen). Von dieser Entwicklung bei den Fotoagenturen waren in letzter Zeit leider auch mehrere meiner eingereichten Fotos betroffen.

Kommentare:

  1. Hallo Detlef,
    Du gewährst einmal mehr interessante Einblicke. Meine Erfahrungen sind natürlich ähnlich, wenngleich es durchaus signifikante Unterschiede gibt. Meine Annahmequoten liegen deutlich niedriger, aber ich versuche auch abgelehnte Bilder oft ein zweites Mal durchzudrücken, was dann teilweise auch gelingt. Dadurch hinken die Zahlen etwas der Realität hinterher. Außerdem versuche ich mich jetzt mit Hintergründe und Texturen, was auch nicht immer gut kommt, aber auch schon Erfolge hatte. Du glaubst gar nicht, was man aus ollen Betonwänden mit Lightroom rauskitzeln kann. Die Erfahrungen bei den einzelnen Agenturen sind nahezu identisch, was den Erfolg und die bevorzugten Motive angeht. Schiffe laufen/schwimmen deutlich voran. Da haben wir einfach - wie Du erwähnst - das Glück der maritimen Geburt ;-)) Den Gedanken, sich auf das Regionale zu spezialisieren habe ich schon länger, ich glaube, dass das ein guter Weg ist. Warum soll man nicht das maritime Leben als Spezialgebiet erfolgreich beackern. Gleichwohl habe ich Lust auf moderne Stadtlandschaften und Architektur. Da will ich auch mal herumexperimentieren, selbst wenn es sich pecuniär nicht lohnt.

    AntwortenLöschen
  2. Interessante und aufschlussreiche Angaben, auch im Vorhergehenden Kommentar, vielleicht versuchen wir das intern auch einmal ergänzend.
    Motive und Bilder gibts hier ja viele.
    Viele Grüsse aus Peru.

    AntwortenLöschen
  3. Hello! Super interessant...verkaufst Du dann quasi ein Bild an zwei Agenturen?
    Viele Grüsse!

    AntwortenLöschen
  4. Überwiegend ja, manche Fotos biete ich auch über insgesamt 6 Fotoagenturen an! Das geht aber nur, wenn man die Fotos bei keiner Agentur als "exclusiv" anbietet.

    AntwortenLöschen